Theater-Ausblick: Zitronen sind süße Früchte 2019

von Dagmar Kübler

 

Fünf Theaterstücke hat Maximilian Huber alias Max von Theben bereits geschrieben, Regie geführt und in Landsberg aufgeführt: 2013 sein Debüt mit den episodischen Szenen Randerscheinungen. 2014 folgte das Drama Der verdorbene Apfel, 2015 die satirische Komödie Der Gott der Träume. 2017 brachte die opulente Horror-Groteske Badehaus Boudoir neben Schauspiel auch Tanz, Akrobatik und Gesang auf die Bühne. 2018 folgte Mandragora.

 

Und schon sitzt Max wieder am nächsten Stück, es soll voraussichtlich 2019 aufgeführt werden. Max schreibt meist an mehreren Stück gleichzeitig, wie er dem rMagazin verrät. Über Jahre hinweg begleiten ihn Notizbücher, in denen er Gedankenblitze notiert, Zitate oder Gedichtzeilen, in denen er die Bilder skizziert, die beim Hören, Lesen und darüber Nachdenken in seinem Kopf entstehen. So verdichten sich Details zu Themen, Ideen für neue Stücke werden geboren. Max ist ein Mensch, der Veränderungen in der Gesellschaft anschieben will.

Seine Quelle liegt in ihm selbst; bereits als Jugendlicher hat er Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren müssen. Das prägt und schult den Blick auf unsere Gesellschaft, unsere Mitmenschen. Beziehungen sind ein unerschöpfliches Thema mit unzähligen Variationen und Spielarten. Die Mutter, die mit der Homosexualität ihres Sohnes überfordert ist; die betrogene Ehefrau, die ihr Heil in exzessivem Sport sucht; das junge Mädchen mit psychischer Störung, das Hadern mit dem Altern, mit dem Machtverlust… Max verdichtet diese Themen, die aus seinem Umfeld auf ihn zukommen, in seinen Theaterstücken. Gespielt werden die Rollen nicht selten durch Protagonisten, die damit ihr eigenes Schicksal verarbeiten. Ein Grund, warum Max vorwiegend mit Laiendarstellern arbeitet: Sie erhalten durch das Theater die Chance auf Empowerment, die Chance, aus dem Spiel Kraft zu schöpfen und ihre persönlichen Probleme besser zu bewältigen. „Ich will aus Laien keine Profis machen, sondern so mit ihnen arbeiten, dass sie einen Zugang zu ihren Gefühlen bekommen und diese ins Spiel einfließen lassen“, erklärt Max seine Maxime als Regisseur. Ein grundsätzlich anderer Ansatz als beim Profitheater, bei dem Darsteller ihre bestmögliche schauspielerische Leistung punktgenau abrufen müssen, die Rollen aber in den wenigsten Fällen etwas mit ihnen persönlich zu tun haben.

 

Max geht dabei jeweils mit völlig verschiedenen Ansätzen an das nächste Stück. Bei Randerscheinungen, Der verdorbene Apfel und Badehaus Boudoir hat er allen Vereinsmitgliedern die Möglichkeit gegeben, zu spielen. Bei dem neuen Stück – wie auch 2015 bei Gott der Träume – will er mit wenigen Darstellern intensiv an ihren Rollen arbeiten. „Das Schauspiel wird im Vordergrund stehen“, verrät Max und auch schon den Titel, der voraussichtlich „Zitronen sind süße Früchte“ lauten wird. Beeinflusst vom Paradesommer 2018 keimte in ihm die Lust auf, etwas Sommerliches zu schreiben, eine „satirische Komödie – mit ernstem Beigeschmack“, so Max. Zwei Männer und zwei Frauen, vier Rollen, die sich ebenbürtig sind. Vier Menschen auf Familientrip. Auseinandergehende Beziehungen, die wieder zusammengeführt werden – welche Familienkonstellationen entstehen daraus? Der Umgang mit dem Scheitern, mit Zwängen. Das Loslassen. Die Kraft der Gedanken. Wie kann man trotz schwieriger Lebensumstände das Beste daraus machen? Trotz schwerer Themen ein Stück, stark beeinflusst von der positiven Psychologie, das gute Laune macht, verspricht Max von Theben. Bewusst hat er sich für eine satirische Komödie entschieden: „Sie ist befreiend und bestärkend, während ein Drama eher Wunden aufreißt.“

 

Max von Theben lässt sich nicht in eine Theaterkategorie einordnen. Zu sehr ist er selbst ein Suchender, Fragender. Einmal will er experimentieren, wie bei Badehaus Boudoir. Nun wird er nach diesem Ausflug in die Welt der eindrucksvollen Bühnenbilder wieder reduzieren – auf klare Sprache, messerscharfe Dialoge, scharf umrissene Charaktere.

 

Von Theben arbeitet zudem an einem weiteren Projekt. Mandragora, das anlässlich der Verleihung des Ellinor-Holland-Kunstpreises erstmals aufgeführt wurde, soll weiterhin gezeigt werden. Die Nachfrage danach besteht, so von Theben. Emanuel Kasprowicz wird der Frontmann des Stückes bleiben; derzeit arbeitet ein Team um von Theben daran, eigene Musik zum Stück zu produzieren.

 

Max selbst ist immer in Bewegung. Er studierte Spanisch, später Erziehungswissenschaft und aktuell Psychologie. Derzeit arbeitet er beim Amt für Jugend und Familie in Dachau. Geboren und aufgewachsen in Landsberg waren Argentinien und Tübingen seine Stationen, nun lebt er wieder in Landsberg. Wo treibt es ihn als nächstes hin? Max von Theben lässt die Antwort offen.