Countdown – Interview mit Norbert alias Siggi

von Dagmar Kübler 

 

Am 22. September 2019 geht das neueste Theaterstück von Projekt Randerscheinungen an den Start – Zitronen sind süße Früchte.

In loser Reihenfolge stellt Projekt Randerscheinungen die Hauptdarsteller vor. Den Anfang macht Norbert Waldmann. Waldmann spielt Siggi Fröhlich, den Ex-Mann von Elli, die ihren Mädchennamen Ernst wieder angenommen hat. Siggi ist finanziell erfolgreich, steckt jedoch mitten in der Midlife-Crisis, wertet sein Defizit mit einer blutjungen Ehefrau auf und leidet unter Aggressionsproblemen.

 

Norbert, Sie sind Dachdecker, 56 Jahre alt und seit 33 Jahren verheiratet. Sind Sie schon durch die Midlife-Crisis gegangen?

Bis jetzt hab ich noch nichts davon gemerkt. Nach 33 Jahren Ehe versteht man sich mit seinem Partner blind. Wir sind glücklich, unternehmen viel. Wer wie Siggi sich eine über 30 Jahre jüngere Ehefrau nimmt, muss doch vorher wissen: Wenn ich ein Tattergreis bin, ist sie immer noch im besten Alter – das kann nicht gutgehen!

 

Siggi Fröhlich und Norbert Waldmann haben also nicht allzu viel gemeinsam – Können Sie sich trotzdem gut in den Charakter einfühlen?

 Ja! Und ich habe großen Spaß daran, diesen prolligen, protzigen und aggressiven Typen zu spielen. Er meint es nicht böse und ist trotz seiner Macken liebenswert.

 

Warum hat er eigentlich solche Aggressionen, dass er sich sogar in eine Therapie begibt?

Ich denke, zum einen kommt er mit der blutjungen Francesca, seiner neuen Frau, nicht wirklich gut zurecht. Eigentlich liebt er Elli immer noch, wenngleich sie ihn mit ihren Macken und ihrer Zwanghaftigkeit aus dem Haus getrieben hat. Vor allem ihr Magerwahn hat ihn verrückt gemacht – Siggi ist ein Lebemann, ein Genussmensch. Er ist ein lockerer Typ, sie immer angespannt – sie konnten sich einfach nicht mehr verständigen.

 

Mal unter uns: Wie schafft es ein Mann mit deutlichen Gebrauchsspuren wie Siggi, an eine so junge und attraktive Frau wie Francesca zu kommen?

Mit Geld. Viel mehr als Liebe steht bei ihm übrigens hinter dieser Heirat, sich etwas zu beweisen und seine Ex zu ärgern.

 

Klingt ganz schön tough – aber auf der anderen Seite ist Siggi ein Mann, der sich nie richtig von seiner Mutter Rosa abgelöst hat…

Ja, Rosa hat ihn ganz schön im Griff, gut zu sehen in der Szene, in der sie ihn an den Ohren zieht. Sie lässt ihn gern mal auflaufen. Aber sie haben auch viele Gemeinsamkeiten: Rosa ist ja ziemlich hinter den Männern her und auch Siggi ist kein Kostverächter.

 

 

Wie ist seine Beziehung zu Emil, dem schwulen Bruder von Elli?

Emil ist für ihn der totale Versager. Er provoziert ihn bei jeder Gelegenheit, vielleicht auch deshalb, weil er Elli, seine Schwester, in ihm sieht. Emil und Elli haben beide viele Ticks. Außerdem ist Emil schwul. Damit kann Siggi, der sich ja über seine Männlichkeit definiert, gar nichts anfangen.

 

Haben die Proben bereits begonnen?

Wir haben bereits fünf Mal geprobt, stets einzelne Szenen. Es läuft sehr gut, obwohl alle Rollen sehr anspruchsvoll angelegt sind. Besonders über Peggy, gespielt von Uli Geske, haben wir viel gelacht. Sie holt so viel Komik aus ihrer Rolle heraus. Ich freue mich darauf, bis wir das Stück ganz durchspielen.

 

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rolle vor?

Im Mai haben wir die Texte erhalten und hatten eine gemeinsame Leseprobe. Wenn ich Zeit habe, lese ich meine Textpassagen zuhause oder während einer Arbeitspause und lasse mich von meiner Frau abfragen. Manchmal spiele ich Szenen auch im Kopf durch.

 

Gibt es eine Lieblingsszene?

Ja! Gegen Ende des Stücks, als die selbsternannte Familientherapeutin Rosa, seine Mutter, alle mit ihren Ängsten konfrontiert, lässt Siggi einmal alles raus, was er Elli schon immer sagen wollte. Das ist gleichzeitig auch die anspruchsvollste Spielszene.

 

Haben Sie bereits Lampenfieber?

Bis jetzt noch nicht! Aber ich kenn das schon von den vorherigen Stücken: Bei der Premiere wackeln die Beine und kurz vor dem Auftritt ist der ganze Text weg. Und plötzlich, wenn es losgeht, ist alles wieder da. Verrückt macht man sich meist so ein bis zwei Wochen vor der Premiere in der heißen Phase. Da klappt oft gar nichts mehr. Das Lampenfieber ist wichtig, wenn es nicht mehr da ist, sollte man mit dem Theaterspielen aufhören.